Es gibt eine Vielzahl von Beschwerden, die die Menschen heutzutage selbst behandeln. Unzählige Medikamente zur symptomatischen Behandlung von Erkrankungen aller Art sind in deutschen Apotheken frei verkäuflich. Vor einigen Jahrzehnten noch von einem Großteil der Bevölkerung belächelt, sind es inzwischen die alternativen Heilmittel wie homöopathische Mittel oder Schüssler Salze, die häufig als erste Wahl bei Erkältungen, Magenbeschwerden und dergleichen gelten. Während sich bei der Homöopathie jedoch die Geister scheiden, und diese von Kritikern als Placebo belächelt wird, gibt es ein weiteres wirksames und gut verträgliches Heilverfahren zur Ergänzung bzw. als Ersatz für chemisch-synthetische Arzneimittel, das auf der einen Seite zu den ältesten medizinischen Therapien zählt, auf der anderen Seite jedoch derzeit nicht immer die Beachtung findet, die es verdient hätte: die sogenannte Phytotherapie oder Pflanzenheilkunde.

Was ist Pflanzenheilkunde?

Vereinfacht dargestellt, beschäftigt sich die Pflanzenheilkunde mit der Erforschung der heilenden Wirkung von Pflanzen und deren Inhaltsstoffen. Die therapeutische Anwendung von Heilpflanzen wird auf allen Kontinenten dieser Welt praktiziert, und seriöse Studien belegen immer wieder, dass in Pflanzen tatsächlich Substanzen mit gesundheitsfördernden Effekten enthalten sind. Ist die therapeutische Wirksamkeit einer Heilpflanze nicht eindeutig durch klinische Studien belegt, spricht man davon, dass die Stoffe traditionell angewendet werden – eine Aussage, der man bei pflanzlichen Arzneimitteln immer wieder begegnet.

Bei der Phytotherapie kommen keine isolierten Einzelstoffe zum Einsatz sondern nur ganze Pflanzen oder verschiedene Pflanzenteile, das heißt Blätter, Wurzeln, Blüten, Samen, Früchte oder Rinden. Diese Ausgangsstoffe werden pharmazeutisch als Drogen bezeichnet. Wenn in einem Arzneimittel nur eine Heilpflanze enthalten ist, so spricht man von einer Monodroge. Angewendet werden die Heilpflanzen entweder frisch oder verarbeitet, etwa zu Saft oder Pulver. In pflanzlichen Fertig-Arzneimitteln findet sich normalerweise ein Extrakt, das heißt ein Auszug, der im Europäischen Arzneibuch definiert ist als Zubereitung von flüssiger, halbfester oder fester Beschaffenheit, die aus üblicherweise getrockneten pflanzlichen Drogen oder tierischen Materialien hergestellt wird. Ist solch ein Drogenauszug flüssig, nennt man ihn unter Umständen auch Tinktur. Eine weitere Art der Verwendung von Heilpflanzen ist die Zubereitung eines Arzneitees.

Was macht ein Arzneitee aus?

Allgemein unterscheidet man zwischen Arzneitee und herkömmlichem Kräutertee. Beide Produktgruppen können die gleichen Kräuter enthalten, doch für einen Arzneitee gibt es bestimmte Auflagen. Ein Arzneitee ist, wie der Name schon sagt, ein Arzneimittel, und bedarf daher einer Zulassung wie jedes andere Medikament auch. Zum einen gibt es eine sogenannte Standardzulassung, zum anderen eine Individualzulassung. Bei einer Standardzulassung basiert der Arzneitee auf erprobten Standardmischungen. Erkennbar ist eine solche Zulassung an einer Zulassungsnummer, die mit „99“ aufhört. Eine Individualzulassung kann für einen Arzneitee beantragt werden, wenn der Hersteller für seine individuelle Teemischung wissenschaftlich belegen kann, dass diese wirksam und unbedenklich ist. Da dieses Zulassungsverfahren aufwendig und teuer ist, ist dies oftmals ein Anzeichen für eine hohe Qualität. Individuell zugelassene Arzneitees enthalten höchsten drei arzneilich wirksame Bestandteile und sind erkennbar an einer Zulassungsnummer, die mit „00“ endet.

Besitzt Arzneitee eine höhere Qualität?

Ein normaler Kräutertee aus dem Teeladen weist nicht zwangsläufig eine minderwertige Qualität auf. Allerdings gelten für Arzneitees eben strenge Auflagen. Dadurch, dass die Inhaltsstoffe der sogenannten Arzneibuch-Qualität entsprechen müssen, ein gewisser Reinheitsgrad vorgeschrieben ist und es genaue Regelungen gibt, welche Pflanzenteile mit welcher (mikrobiologischen) Qualität verarbeitet werden dürfen, ist ein Arzneitee zur Linderung von Krankheits-Symptomen besser geeignet als anderer Tee. Durch die Vorschriften enthalten Arzneitees auch mehr ätherische Öle als Lebensmitteltees. Bei Pfefferminze beispielsweise liegt der Mindestgehalt an ätherischem Öl bei Lebensmitteltee bei 0,6 % und bei Arzenitees gemäß europäischem Arzneibuch bei 1,2 %. Das gilt insbesondere für Arzneitees mit Individualzulassung, die im Gegensatz zu Arzneitees mit Standardzulassung nicht in Drogerien oder Supermärkten erhältlich sind und auf Grund ihres hohen Wirkstoffgehalts nur in Apotheken verkauft werden, also apothekenpflichtige Arzneimittel sind. Daher gibt es für sie auch immer eine ausführliche Gebrauchsinformation, in denen unter anderem beschrieben ist, wer den Tee auf welche Weise anwenden darf.

Des Weiteren sind solche Tees besser verpackt, damit die kostbaren ätherischen Öle nicht verloren gehen. Wer sich also die Kraft der Heilpflanzen zunutze machen möchte, ist mit Arzneitees, dank der hochqualitativen Rohstoffe und deren angemessenen Verarbeitung, gut beraten. Dass Arzneitees in Beutelform angeboten werden, ist übrigens kein Zeichen von schlechter Qualität, da durch den Feinschnitt die Wirkstoffe besser freigesetzt werden und ein Teebeutel eine gleichbleibende Zusammensetzung ermöglicht.

Welche Heilpflanzen kommen zum Einsatz?

Im Folgenden gibt es eine Übersicht über die gängigen Wirkstoffe in Arzneitees für verschiedene Anwendungsgebiete. Die Angaben erfolgen in alphabetischer Reihenfolge und nicht nach der enthaltenen Menge der Pflanzenteile. Die genaue Zusammensetzung kann natürlich von Anbieter zu Anbieter variieren. Außerdem können Arzneitees weitere, hier nicht aufgeführte Hilfsstoffe oder Bestandteile enthalten, die entweder aus geschmacklichen Gründen hinzugefügt werden oder (im jeweiligen Zusammenhang) nicht als arzneilich wirksamer Inhaltsstoff anerkannt oder relevant sind. Interessant zu wissen ist, dass der verwendete Pflanzenteil durchaus einen Unterschied macht. Werden zum Beispiel Kamillenblüten verwendet, dann liegt das daran, dass wichtige Flavinoide eben genau in den Blüten zu finden sind und nur äußerst geringfügig in den Blättern, die im Kamillentee aus dem Discounter zu finden sind.

Blasen- und Nierentee

  • Bärentraubenblätter
  • Birkenblätter
  • Bohnenschalen
  • Goldrutenkraut
  • Hauhechelwurzel
  • Orthosiphonblätter
  • Schachtelhalmkraut

Beruhigungstee

  • Baldrianwurzel
  • Hopfenzapfen
  • Melissenblätter
  • Passionsblumenkraut
  • Pfefferminzblätter

Erkältungstee

  • Anis
  • Holunderblüten
  • Lindenblüten
  • Mädesüßblüten
  • Süßholzwurzel
  • Thymian
  • Weidenrinde

Herz- & Kreislauftee

  • Weißdornblätter mit Blüten
  • Weißdornfrüchte

Husten- & Bronchialtee

  • Eibischwurzel
  • Fenchel
  • Hagebutteschale
  • Primelblüten
  • Quendelkraut
  • Spitzwegerichkraut
  • Stiefmütterchenkraut
  • Süßholzwurzel
  • Thymian

Leber- & Gallentee

  • Javanische Gelbwurz
  • Kümmel
  • Löwenzahn
  • Mariendistelfrüchte
  • Pfefferminzblätter
  • Schafgarbenkraut

Magen- & Darmtee

  • Anis
  • Bitterkleeblätter
  • Enzianwurzel
  • Fenchel
  • Kamillenblüten
  • Koriander
  • Kümmel
  • Löwenzahn
  • Pfefferminzblätter
  • Schafgarbenkraut
  • Tausendgüldenkraut